Soja-Kochkurs

Ein Journalist lässt sich überraschen und entdeckt die köstliche Soja-Küche

 

Kochen mit Soja

Auszug aus einem Artikel in dem BIOLINE-Magazin von Jack Lösch

 

Eigentlich bin ich kein Vegetarier. Fleisch schmeckt mir gar so gut. Aber weil ich weiß, wie ungesund ein Übermaß an Wurst und Fleisch für den menschlichen Körper sein kann, bemühe ich mich um Ausgleich.

Der Nichtwissende, so wie ich einer bin, sucht sein Heil in mehr Obst, Gemüse, Salat und Getreide.

Allerdings ist mir bekannt, dass es besonders die tierischen Proteine und die tierischen Fette sind, die einer bekömmlicheren Alternative bedürfen.

So habe ich es früher schon mal halbherzig mit Tofu probiert, dem absolut „geschmacksfreien“ Sojakäse. Aber Scheiben daraus verbrutzelten mir unansehnlich zu zähen Teilen, die von einem leckeren Gericht weit entfernt waren.

 

Wie machen das bloß die Vegetarier?

Müsste man sie bewundern, dass sie den Genüssen auf dem Teller so ganz entsagen?

 

Bei meinen gelegentlichen Besuchen im Seminarhaus Hoher Vogelsberg, anlässlich verschiedener Reportagen, wurde ich jedoch  früher schon eines besseren belehrt. Dort hatte ich bereits öfter himmlische „Fleischgerichte“ verspeist. Vom Fleisch, das auf dem Felde wächst natürlich. Ich spreche von Soja.

Da gab es Frikassees, Aufläufe, Sahnegeschnetzeltes, Sauerkrautsuppe – ach, einfach herrliche Sachen.

Ich konnte bei den einzelnen Rezepten, auch beim genaueren Hinschmecken, keinen wesentlichen Unterschied zum Fleischgeschmack entdecken.

Dafür prägte die Köchin des Seminarhauses einen flotten Spruch:

 

„Bei Fleisch kommt es darauf an, ob man gut kochen kann. Das ist bei Soja nicht anders!“

 

Bei aller Begeisterung über das, was jedes mal an leckeren Sachen aufgetischt wurde, konnte ich mich jedoch noch nicht entschließen, meine Junggesellenküche um solche gesunden Schlemmereien zu bereichern. Der Hauptgrund dafür war bisher eigentlich, dass ich nicht die geringste Ahnung hatte, wie das bräunliche Sojagranulat, das es in verschiedenen Sorten und Größen gibt, zu Gerichten verarbeitet werden kann.

 

Jetzt aber wollte ich genau wissen, wie Soja zubereitet wird

 

Da kam mir die Einladung zu einem Soja-Kochkurs recht gelegen.

So reiste ich also, gewappnet mit Kamera, Stift und Papier an und wollte für das BIOLINE-Magazin und für mich selbst festhalten, wie man mit Soja kocht.

Schnell stellte ich fest, dass meine 12 Mitstreiter mit ganz ähnlicher Neugierde gekommen waren, wie ich selbst.

Am Freitagnachmittag eingetroffen, wollten wir zwei ganze Tage miteinander kochen und vor allem schlemmen. Nach dem freundlichen Empfang und der Quartierverteilung wurde es gleich ernst. Die Ernährungsexpertin Ingrid Schlieske, die den Workshop leitete, hielt einen informativen Vortrag über den gesundheitlichen Wert von Soja in der Ernährung.

Danach erwartete uns ein schönes Dinner, das die Seminarhausköchin Heike liebevoll vorbereitet hatte. Sie hatte auch Eiweißbrot (ganz ohne Getreidemehl) gebacken. Das duftete durchs ganze Haus. Leider war es erst zum Frühstück für den Folgetag vorgesehen.

 

Das Begrüßungsdinner

- Spinat-Cremesuppe mit Schafskäse

- Feldsalat in Schnittlauchschmand

- Kichermehlspätzle abgeschmelzt, dazu Erbsen-Sahneragout von Soja

- Frischer Fruchtsalat mit Schlagsahne

 

Am Folgetag begann die Kocherei

Erst einmal wieder etwas Theorie. Soja quellen lassen war die Vorbedingung. Aber in wie viel Wasser? Wie heiß muss es sein? Und wie lange? Wie wird es angebraten und in welchem Fett? Womit darf gewürzt werden? Was bindet? Wie entsteht der fleischige Geschmack?

 

Ja, die Handhabung ist überraschend einfach. Aber man muss eben genau wissen, wie...!

 

Jeder Teilnehmer erhielt nun für das Mittagessen, aber auch schon für den Nachmittagskuchen ein Rezept, das er/sie unter den liebevoll nachsichtigen Augen der Seminarleiterin bereitete. Die Überraschung war: jedes Gericht gelang auf Anhieb.

So konnte bereits zum ersten gemeinsamen Mittagessen aus einem üppigen Büffet ausgewählt werden.

 

Das Mittagsbüffet

- scharfe Sauerkrautsuppe mit Sojaragouteinlage

- Soja-Gyros mit Tsatsiki und Krautsalat

- Chili con Azuki, sowie grüne Bohnen mit vegetarischem Schmalz

- Sojakruste über dem Ratatouilletopf

- Melone in Birnencognac

 

Das Candlelight-Dinner

- Eiweißbrötchen

- Tomatencremesuppe mit Ginsahne und frischem Basilikum

- Pilz-Sahneragout mit Brokkoli in vegetarischem Schmalz

- Paprikagulasch mit Kichererbsenspätzle

- Blattsalat mit Sojafrikadellen

- Gebratene Pilze

- Tomaten mit Parmesan überbacken

- Himbeereis mit Minzeblättern

 

War das ein schönes Abendessen! Bei Kerzenschein wurde geschlemmt, gelacht, gescherzt. Von allem wurde probiert.

 

Und ich? Ich konnte nicht genug auf meinen Teller bekommen von dem Fleisch, das auf dem Felde wächst.

 

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